Die Haindlinger Wallfahrt

Inmitten von Niederbayerns „Kornkammer“, dem ertragreichen Gäuboden, liegt nur wenige Kilometer südwestlich von Straubing die alte Wallfahrt „Zu Unserer Lieben Frau“ in Haindling.

Das kleine Dorf, das gleich zwei große Kirchenbauten sein eigen nennt, kann auf eine über sechshundertjährige Wallfahrtsgeschichte zurückblicken und gehört damit zu den ältesten Pilgerstätten Bayerns.

Kunsthistorische Bedeutung kommt der Gnadenstätte auch durch die Geschlossenheit ihrer großen Anlage zu, die Marienkirche, Kreuzwegstationen und Kreuzkirche umfasst.

Die auf einer Anhöhe übereinandergestaffelte Baugruppe mit ihren ähnlich gestalten, hohen und schlanken Türmen zielt auf eine Fernwirkung als großes, doppeltürmiges Kirchenensemble und wirkt wie eine geistige Bastion über dem weiten Land.

2016 wurde dem Ensemble die Auszeichnung „Nationale Bedeutung“ verliehen, da es als prägendes Beispiel des nationalen kulturellen Erbes gilt.

Marienwallfahrt seit dem 14. Jahrhundert

Das Kloster St. Emmeram in Regensburg, eines der bedeutendsten Klöster der Benediktiner in Bayern, besaß nachweislich seit dem 9. Jahrhundert Güter in Haindlingberg. 1031 sind Besitzungen von St. Emmeram in Haindling und dem benachbarten Hainsbach belegt.

Das Patronatsrecht, d.h. das Recht zur Berufung des Pfarrers, bestätigte Papst Klemens IV. dem Kloster bereits im Jahr 1266.

1268 erfolgte die Errichtung der klösterlichen Propstei Hainsbach. Die Hofmark Hainsbach wurde zusammen mit den benachbarten Hofmarken Gingkofen und Haindling zu einem wichtigen wirtschaftlichen Zentrum des Klosters St. Emmeram in Regensburg.

Eine Marienkapelle in Haindling wird erstmals 1333 erwähnt.

Mit der Bestätigung der Kaplanei im Jahr 1337 durch Bischof Nikolaus von Regensburg ist die bestehende Wallfahrt „Zu Unserer Lieben Frau“ in Haindling urkundlich gesichert.

Die wachsende Beliebtheit der Gnadenstätte bezeugt die Einrichtung einer zweiten Kaplanstelle im Jahre 1352 und einer dritten 1419.

Die Bischöfe waren bedacht, der Wallfahrt Ablassgnaden zukommen zulassen. So erwarb Bischof Friedrich im Jahr 1357 Ablässe von 16 Bischöfen und im Jahr 1487 genehmigten 17 Kardinäle Ablässe für die Besucher des Gnadenortes.

Durch diese Zuwendungen blühte die Wallfahrt mächtig auf und bekam überregionale Bedeutung.

1438 finden wir in Haindling bereits 6 Messpriester. Zu den großen Wallfahrtstagen kamen noch zusätzlich 10 bis 12 Patres aus dem Kloster St. Emmeram in Regensburg nach Haindling.

Überregionale Bedeutung der Wallfahrt

Um der Beliebtheit der Wallfahrt Rechnung zu tragen, erweiterte man die Anlage durch die Kreuzkirche.

Unter Abt Hieonymus II.Feury (Amtszeit 1609-22) wurde die Wallfahrt im Geiste der Gegenreformation modernisiert. Er ließ die Türme beider Kirchen aufstocken. Ein Jahrhundert später erfolgte unter den Äbten Wolfgang Mohr (1719-25) und Anselm Godin (1725-42) der Umbau der Marienkirche zu einer großen Wandpfeileranlage mit prächtiger Barockausstattung.

Pater Bonifaz Schachtner (+1743), der damals in Haindling wirkte, gründete die Erzbruderschaft der Heiligen Dreifaltigkeit. Er veröffentlichte auch Berichte über die wundertätige Hilfe der Haindlinger Madonna in seinen Mirakelbüchern, die weite Verbreitung fanden.

Der blühenden Muttergotteswallfahrt trug auch die Verlegung der Probstei aus Hainsbach nach Haindling 1733/34 in das neu erbaute „Klösterl“ Rechnung.
Der einfache aber stattliche Bau mit Walmdach befindet sich circa 150 m südöstlich der Kirchenanlage und ist heute in privater Hand.

In dem „Klösterl“ haben sechs Mönche aus dem Kloster St. Emmeram gelebt, die die Wallfahrt betreuten. Zu den großen Wallfahrtstagen waren zusätzlich 10 bis 12 Patres aus dem Kloster St. Emmeram aus Regensburg anwesend.

In jahrhundertelanger Bau- und Umbautätigkeit hat das Kloster St. Emmeram ein einzigartiges Wallfahrtszentrum geschaffen, das zu den bedeutendsten Gnadenstätten des bayerischen Kurfürstenzentrums zählte. Nach Boden und Sossau die drittälteste in unserem Gebiet und älter als Altötting.

Rund 60 Pfarreien pilgerten alljährlich zur Muttergottes nach Haindling. Allein am Pfingstmontag kamen 14 Pfarreien, die ab dem Morgengrauen eingeläutet wurden. Die Zahl der Wallfahrer mag jährlich circa 20.000 betragen haben.

Haindlinger Wallfahrt ab 1803

Als 1803 im Wege der Säkularisation das Stift Sankt Emmeram aufgelöst wurde, litten Haindling und seine Gnadenstätten noch mehr. Die Wallfahrt verlor ihren seelsorglichen und finanziellen Rückhalt und wurde im Laufe der Jahre fast bedeutungslos.

Die Hofmark Hainsbach wurde 1816 durch Maximilian Graf von Montgelas ersteigert, der durch teilweise drastische Mittel die Enteignung von Kirchengut in Bayern umsetzte.

Unter Pfarrer Manfred Kuhnert, der 1984 in die Pfarrei kam, wurde versucht die Wallfahrt wieder zu beleben.

Heute kommen noch folgende Pfarreien alljährlich zur Feier einer Pilgermesse: Andermannsdorf (Landkreis Landshut) seit 1456, Bayerbach, Griesbach (Landkreis Dingolfing-Landau), Holztraubach, Laberweinting, Metting, Perkam, Schambach, Steinbach (Landkreis Dingolfing-Landau), Steinach und Stephansposching.

Bedeutender Historiker

Die bekannteste Persönlichkeit unter den vielen Benediktinern, die hier jahrhundertlang die Wallfahrer betreuten und den Besitz verwalteten, war Pater Roman Zirngibl (+1816).

Der Archivar und Geschichtsforscher war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und einer der bedeutendsten bayerischen Historiker im Zeitalter der Aufklärung.

Schon früh eigene Schule

Im Süden des Kirchhofes grenzt das alte Schul- und Mesnerhaus an, mit dem Haindling 1680 als eines der ersten Dörfer eine eigene Schule erhielt. Im Jahr 2003 wurde die „Alte Schule“ von Grund auf saniert. Sie beherbergt nun unter anderem den Pfarrsaal.

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